Geschichte

Die Geschichte der Schützenvereine

Der Ursprung des Schützenwesens liegt mehr als 1000 Jahre zurück. Bereits im Jahr 955 wurden niedersächsische Bogenschützen eingesetzt. Otto der Große brauchte sie zu kriegerischen Zwecken. Hier war es der Feldzug gegen die Wenden. Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten blieben Pfeil und Bogen bzw. die Armbrust bedeutsam, insbesondere bei der Verteidigung von Städten. So bildeten sich Gilden heraus, die die militärische Ausbildung der Einwohner übernahmen.
Satzungen regelten, unter welchen Bedingungen die Bürger in die Vereine eintreten konnten, die regelmäßige Abhaltung von Schießübungen, die Überprüfung der Waffen sowie den Höhepunkt des Jahres: die Durchführung des Schützenfestes.
Auch in unserer Region gibt es alte Schützengilden oder Schützengesellschaften. Die Allgemeine Schützengesellschaft der Stadt Lüneburg geht zurück auf das Jahr 1387.

Des weiteren waren Vorschriften zum moralischen Verhalten vorgegeben, wie beispielsweise das Verbot der Gotteslästerung, des Zankens, des Fluchens, des Schlagens. Verboten waren auch das Würfeln und das Kartenspielen. Verstöße wurden mit Bier – oder Geldstrafen geahndet. Darüber hinaus erfüllten die Schützengesellschaften auch religiöse Funktionen. Sie begleiteten die verstorbenen Mitglieder zu ihrer Ruhestätte. Es war Sitte, daß die jungen Schützen den Sarg trugen. Bei Prozessionen stellte die Schützengesellschaft die Ehren- bzw. die Schutzwache. Als Patron der Schützen gilt der heilige Sebastian.

Seit dem 17. Jahrhundert benutzte man zunehmend Feuerwaffen – natürlich auch bei Wettkämpfen. Sieger war der Schütze mit der höchsten Trefferzahl, zuweilen auch der mit dem besten Schuß. Anfänglich wurde auf einen nachgebildeten Vogel geschossen, dieser Tradition folgte der Schuss auf die Scheibe. Nach der Verteilung der Preise folgte ein geselliges Zusammensein. Wegen der militärischen Bedeutung förderten die Ratsherren der Städte die Schützenvereine und statteten sie gelegentlich mit Land aus oder unterstützten sie beim Bau eigener Schützenhöfe.

Der durch die Weiterentwicklung der Militärtechnik bedingte Niedergang der Schützengesellschaften wurde im 19. Jahrhundert abgefangen durch die neue Organisationsform der Vereine. Die Gründung des Deutschen Schützenbundes 1861 in Gotha war Ausdruck einer national verstandenen Wehrbereitschaft.

Nach den katastrophalen Erfahrungen der beiden Weltkriege verstand man es, in den 50er Jahren den ideologischen Ballast abzustreifen und sich lediglich auf Brauchtum und Tradition zu besinnen.
Der rund 140 Jahre alte Deutsche Schützenbund zählt ca. 1,6 Millionen Mitglieder. Bei so viel Zulauf kommt natürlich auch der eigentliche Schießsport nicht zu kurz. Die Erfolge auf Vereins-, Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene sprechen jedenfalls für sich. Selbst bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen stehen deutsche Schützen immer ganz oben.

Der Schützenverein Deutsch Evern ist einer von mehr als 2700 niedersächsischen Vereinen. Das Schützenwesen spielt speziell in diesem Bundesland eine herausragende Rolle. Bezeichnend ist, daß das größte Schützenfest der Welt in Hannover gefeiert wird.
Aber was wäre das größte Fest, wenn es nicht die vielen Kleinen gäbe? Auf diese Weise könnte man, da alle ihr eigenes Datum bevorzugen, zwischen Mai und Oktober von einem Fest zum anderen ziehen und hätte, allein in Niedersachsen, immer noch nicht alle erlebt.

Altes erhalten, Neues gestalten